Bildergalerie

Vorbereitungen

Im April kam die WIDU in Niendorf ins Wasser und letzte Arbeiten am Motor und der letzte Schliff an den Ausbauten wurde erledigt.

Ende April überführten wir die WIDU nach Neustadt, wo sie bis yum 1. Juniwochenende lag.

Sa, 01.06.Skipper, Jens und Barbara laufen aus Neustadt aus und nehmen Kurs auf Orth, Samstagabend Orth.

So, 02.06. Segeln nach Kiel mit derselben Mannschaft.

Sa, 22.06. Skipper und Jens fahren auf dem NOK nach Brunsbüttel.

So, 23.06. Brunsbüttel - Cuxhafen.

Sa-So, 06.-07.07 Jens und ein Freund fahren von Cuxhafen nach Bremerhafen und hier in die Weser, bei Elsfleth biegen sie ab in die Hunte und erreichen Oldenburg.

 

Jens und Crew

Am 21.07. starteten Jens, Jörn, Jonas und Torsten zunächst mit dem gemütlichen Teil der Reise. Sie fuhren los und blieben erstmal an einer geschlossenen Brücke hängen... 

Nachdem sie dann gelernt hatten, daß man auf der Nordsee und auf Kanälen mehr auf die Zeit achten muss als auf der Ostsee machten sie ihren Weg auf der `Stehender Mast Route´ durch die Kanäle une Binnenmeere der Niederlande: 

Elsfleth - Borkum - Delfzijl - Groningen - Zoutkamp - Bergumer Meer - Grou - bei Lemmer in´s Ijsselmeer - Amsterdam - Scheveningen.

In Scheveningen fand am 03.08. die Uebergabe an den Skipper und Otto statt.

 

Skipper und Otto

Am 03.08. Bootsübernahme zunächst noch nur durch den Skipper, Zeit für ein paar letzte Bauarbeiten bis am 04.08. Otto ankommt.

Start am nächsten Morgen, Kurs Zeebrugge, QM II getroffen, sonst eher langweilig.

Am nächsten Tag  Dünkirchen mit schönem Yachthafen und schöner Stadt, am folgenden Tag auf dem Weg nach Dover passieren wir ein grauslig stinkendes Industriegebiet (Raffinerien).

Großes Glück bei der Kanalüberquerung, alle Fähren problemlos passiert und endlich optimaler Segelwind... Wir machen erste Erfahrungen mit dem lebhaften Funkverkehr, der vor der englischen Küste herrscht: man meldet sich beim Hafen an, bei Brücken, bei anderen Schiffen...  Wichtig ist in Dover die Möglichkeit neue Imray Karten zu kaufen (Papierseekarten werden offenbar selten und nur die tapferen Briten...). Eigentlich ist es sehr schön an der englischen Südküste, wenn man nicht wegen der Tide jeden Morgen um 03.00h aufstehen müsste... ist daher auch kein Problem, wenn die Pubs um 23.00h schließen...

In Brighton empfängt uns das typische englische Wetter, das in einem Mix aus Regen, Nebel und Sonne besteht.

Der sehr sachkundige Rat des Hafenmeisters in Brighton führt uns nach Gosport vor Portsmouth, von wo uns am nächsten Morgen (03.00h)  ein unglaublicher Ebbstrom (12 kn ü. G.) in Richtung Portland durch den Solent spült.

Wir machen im alten Militärhafen in Portland fest und ersparen uns so die Touristenhochburg Weymouth. Der von Heinrich VIII gegründete Hafen mit seiner beeindruckenden Festung sind sehenswert.

An der Südspitze der Isle of Portland machen wir am nächsten Morgen erstmals Bekanntschaft mit heftigen Overfalls (aus denen man tatsächlich nur mit großer Mühe wieder rauskommt). Brixham sieht von außen aus wie ein kleine Stadt am Mittelmeer; nur die große Menge übergewichtiger, tätovierter Briten, die nahezu regungslos auf Molen sitzend Krebse angeln, weist darauf hin, dass man sich noch in England befindet.

Eigentlich hatten wir übernachten wollen und auch schon bezahlt, aber an diesem schönen, sonnigen Abend hatten wir die Idee doch gleich wieder aufzubrechen anstatt am Morgen wieder um 03.00h aufzustehen...

Damit begann Ottos größter Einsatz: 30 Stunden am Ruder, bis Frankreich, das ist eben Otto! Sonst keine besonderen Vorkommnisse auf dieser Fahrt mit Ausnahme der Tatsache, dass wir einen russischen Tanker morgens um 02.00h per Funk auffordern müssen, uns nicht zu versenken. Er weicht bereitwillig aus.

Frankreich empfängt uns mit der Ile de Batz, Nebel und Delfinen. Am Abend machen wir in Roscoff fest. Hier nimmt am nächsten Morgen (Otto ist beim Brötchenholen) der Zoll unser völlig unaufgeräumtes Schiff sehr gründlich unter die Lupe.

Ein Leihwagen aus Morlaix bringt Otto und mich nach Bielefeld und einige Tage später Christiane und mich zurück nach Roscoff.

 

 Über die Biscaya

Mit dem Leihwagen, in dem auch neues Ölzeug für mich, Konserven von Jens und Mrtina mit Hackbraten, Braten und Bolognaisesauce Platz fanden, nach Abschied von Mutter, ging die 12 Stunden Fahrt nach Roscoff. Wir gönnten uns einen Tag zum Eingewöhnen an Bord, Autorückgabe und Besichtigung von Roscoff.

26.8.

Schlag 8 Uhr Auslaufen mit der Flut. Leider Flaute, so dass bis abends unter Motor.

Eigentlich wollten wir vor La Coruna gar nicht mehr Land ansteuern, sondern zwischen der Ile de Batz und dem Festland südlich von D’Ouessant das offenen Meer ansteuern, doch sehr wenig Wind und starke Gegenströmung und „races“ führten zur Planänderung, so dass wir noch eine gemütliche Nacht in der Bucht von Lampaul vor Anker hatten und uns herrlich mit grünen Bohnen und Speck und Kartoffeln und Sahnesalt und Rotwein stärken konnten.

27.8.

Versuch, die Pinnensteuerung in Betrieb zu nehmen scheitert, also weiter steht einer von uns am Rad und steuert Kurs 210°. Nach 17 Uhr endlich doch noch genug Wind zum Segeln.

Delphine umspielen das Boot, surfen auf der Bugwelle und im türkiesen Wasser der anderen sich brechenden Wellen um uns herum.

In der Nacht lösen wir uns im Stundenrhythmus am Steuer ab und sind am nächsten Morgen ganz schön gerädert.

28.8.

Nach anfänglicher Flaute genug Wind, dass wir die Windsteueranlage in Betrieb nehmen können. Ab jetzt ist das Leben reiner Genuss: Sternenklare Nacht, heller Mond in den frühen Morgenstunden. Die Sternbilder reichen bis ins Wasser, die Sternschnuppen fallen fast ins Boot. Wir wechseln die Wache jetzt in 2 Std. Rhythmus und fühlen uns am nächsten Morgen viel ausgeschlafener. Wie sehen kein einziges Boot. Die Dünung bei achterlichem Wind ist allerdings so stark, dass HF der Teller unter den Spaghetti mit Martinas wunderbarer Sauce wegrutscht und er sie aus der Gräting löffeln muss.

29.8.

Bis mittags wieder Flaute, dann guter Segelwind. Immer noch kein einziges Boot.

Wir segeln jetzt in spanischem Gewässer und hören spanisches Radio 4500 Meter über dem Grund.

30.8.

Wir segeln haben mehr Wind als am Vortag und sehen auch wieder andere Schiffe. Es sind noch ca 2Std. bis La Coruna. HF freut sich auf den Hafen, ich könnte noch eine ganze Weile so weitersegeln.

Wir sind uns einig, diese Überfahrt war ein wunderbares, unvergessliches Erlebnis.

 

 

 

 30.8. bis 3.9.

La Coruna

Großer, sehr angenehmer Hafen,

Sehr  schöne Stadt mit alten Häusern, engen Gassen, modernen Bauten, in der wir schlenderten, schauten und die Tapas im Abendlicht auf der Plaza de Maria Pita.

Ich lieh mir ein Rad und umrundete die Stadt auf der Straße immer am Meer, den Sränden und Klippen entlang.

Am Montag kam der Mechaniker, tauschte den Kompass der Pinnensteueranlage aus, doch die Anlage funktionierte immer noch nicht, offensichtlich ist auch der Computer nicht in Ordnung.

4.9.

Wir steuern also bei Flaute eigenhändig nach  Camarinas.

Im Hafen sind teure Maßnahmen zum Aufpeppen des Fischerdorfs ergriffen worden, z.B. Edelstahlgeländer und eine Brücke mit einem Geländer aus Panzerglas. Ob das dem Ort auf die Beine helfen kann?

In vielen kleinen Läden werden Klöppelarbeiten angeboten.

Beeindruckend sind die Vorratsspeicher aus Granit, die auf granitenen Säulen durch große Räder aus Granit vor Mäusen geschützt werden.

9.9.

- Los Muros (2 Tage)

- Portonovo

- Baiona

Los Muros hat mir mit seinen ganz engen Gassen, seinen verwunschenen Plätzen, viele verfallenen Häusern besonders gut gefallen. Es wird an allen Ecken renoviert, vielleicht zu viel.

Auf der Strecke nach Portonovo, segelnd mit der Genua, bei blauem Himmel und Sonnenschein, passierte es: Direkt neben dem Boot tat sich plötzlich das Wasser auf, und ein Stein von ca 1qm Oberfläche tauchte 2m neben dem Boot auf, wurde gleich wieder vom Wasser überspült und jagte uns einen sehr großen Schrecken ein. HF wurde ganz blass, riss die Windsteueranlage nach steuerbord und zitterte am ganzen Körper. An dieser Stelle war nichts in den Karten verzeichnet.

Im Ria de Pontevedragibt es 2 Häfen zur Auswahl, die Frage, welcher ist weniger furchtbar, stellt sich angesichts der gigantischen Urbanisation. Wir entscheiden uns für Pontenovo und handeln uns damit ein Motorradtreffen mit Höllenlärm ein.

Am nächsten Tag bei herrlichem Wind und Sonnenschein mit der Genua nach Baiona, vorbei an den Inseln Ons und Cies, die sehr malerisch die Buchten schützen und Jens auf Google Maps besonders gut gefallen.

 

Baiona zeichnete sich durch seine hohe Liegegebühr (€ 32) aus, dafür wurden wir aber auch Zeugen der wichtigen Regatta um den großen Preis von Asturien. Riesige Segelboote liefen ein und lagen unmittelbar neben uns, unter anderem die Shadow (100 feet) und entließen unzählige blau- weiß gekleidete Kadetten zur Siegerehrung.

Noch ein paar Meilen, dann überqueren wir die Grenze nach Portugal.

11.9.

2 Tage Viana da Castello am Warteponton mit einem Boot aus Basel (das wir bis Peniche in fast jedem Hafen wieder getroffen haben), den Holländern Angelique und Rene aus Brabant, die ihr Haus in Holland verkauft haben, ins Mittelmeer segeln und versuchen wollen, ein kleines Häuschen in Murcia zu kaufen und Marianne und Carlo aus Dänemark.

Das Anlegemanöver klappt erst im 3. Anlauf, weil wir die Strömung von 3 kn (wegen der Springtide) übersehen haben.

Carlo war schon beim Anlegen ganz aufgeregt: „Das Boot kenne ich. Das habe ich schon in Cuxhafen gesehen. Eine ganz neue Maxi 95. Wie kann das sein? Die wird doch gar nicht mehr gebaut.“

Nach einer für beide Kapitäne beglückenden Bootsführung gab es Drinks an Bord des holländischen Boots, dann Chorizos an Mohrrüben-Kartoffelgemüse.

Viana da Castello ist lebendig und hübsch mit vielen wunderschön restauriereten Häusern, Kirchen und Museen.

Kaffee auf dem Hauptplatz, Omelette mit Salat und Vinho Verde um die Ecke.

Sundowner  bei den Dänen

Gemeinsames Abendessen (zu sechst) in einem gemütlichen Restaurant. Der Tisch biegt sich unter Bacalao, gebraten und gekocht, Dorade, Zicklein und Schweineallerlei, Salat und Wein.

Vielleicht treffen wir Marianne und Carlo wieder auf den Kanaren oder den Kapverden, dann im neuen Jahr.

15.9.

Leixoes

Aveiro

Figuera da Foz

In Leixoes treffen wir Angelique und Rene wieder, diese Mal gibt es Prosecco und Wein bei uns an Bord.

Am nächsten Morgen Marsch nach Norden durch touristische Neubaugebiete der scheußlichsten Art.

Für den Nachmittag planen wir Porto. Der Bus fährt einfach an uns und der Bushaltestelle vorbei, weil wir nicht wissen, dass wir freundlich winken müssen. Gegen den Frust, zur Verkürzung der Wartezeit helfen uns alle Gäste eines nahen Straßenrestaurants Orangensaft und ein Glas Vinho Verde zu bestellen. Schließlich tragen wir eine ganze Flasche liebevoll durch Poeto.

Lange Busfahrt durch viele Vororte ins Zentrum zum Kirchturm ‚Torre dos Clerigos‘, dem Wahrzeichen der Stadt. An der Straßenbahn entlang bergab in Richtung Duoro, vorbei am Bahnhof mit den schönen Kachelbildern, zur Brücke aus dem Hause Eiffel, gegenüber die Portweinkeller der Firma Sandemann und Co, durch wunderschöne Straßenzüge wieder bergauf. Schade, dass sicher 50% der Häuser unbewohnt sind und die Innenstadt sichtlich verfällt.

Guter Segelwind nach Aveiro.

In der verzeichneten Ankerbucht hält der Anker auch beim 2. Versuch nicht. Ein freundliches Paar auf einem Motorboot geleitet uns zu dem kleinen Marina, der im Reeds zwar beschrieben, aber nicht verzeichnet ist. Vorbei an einem Schiffsfriedhof mit großen Schiffen und einem Viermaster. Ein kleiner privater Jachthafen am Kanal , umgeben von Salinen im total abgewrackten Gelände. Der nette Portugiese, der beim Festmachen hilft, verliert dabei seine Hose. Zum Einchecken ein Super Bock Bier, einer der Anwesenden erzählt so begeistert von seiner Stadt Aveiro, dass wir und sofort auf den Weg machen, am Kanal entlang an bunten Gondeln und Jugendstilhäusern. Vor dem Essen auf dem großen Platz holt HF mit der süßen Bedienung Geld von der Bank und ist verzückt.

Wir haben den Schlüssel zu Hafentor vergessen, HF muss durch das dunkle Wasser des Kanals zum Boot schwimmen. Eine Heldentat.

Nach Figuera da Foz die ganze Strecke mit Motor. Kurz vor der Ankunft Wind nicht zu knapp, so dass wir auf den Steg rauschten und ich in den Armen eines Engländers landete.

Am Sonntagmorgen Einkauf von Böhnchen Bier und Wein im Supermarkt, dann auf nach Nazare. Von dort schon kurz nach 8 Uhr Aufbruch nach Peniche. Die Fahrten bei Welle und Flaute mit Motor haben uns ganz schön müde gemacht. Die Delphine mit Babies haben wieder für gute Laune gesorgt. Doch wir finden es besser, eine Stunde mit dem Bus nach Lissabon zu fahren, anstatt uns 10 Stunden bei hoher Welle und angesagtem Starkwind zu schinden.

In Peniche lagen wir erst im Päckchen bei einem Portugiesen. Ein auslaufendes Fischerboot verursachte eine solch hohe Welle, dass die Masten der Boote zusammen krachten, die Boote aneinander rumsten und die Widu trotz der Fender Kratzer abkriegte. Das tat weh.

Jetzt liegt das Boot gut geschützt in einem echten Liegeplatz und wir können beruhigt abfliegen.

Am 3. Oktober wollen HF und Jens zu den Kanaren aufbrechen.

La Gomera – Mindelo (Sao Vicente, Kapverden)

27.10.2013

Montagmittag 12.40 Uhr, Murray, Judith und Johanna winken und wir laufen bei starkem Wind und sehr hoher Welle aus in Richtung El Hierro aus. Mir wird fast augenblicklich schlecht, aber das vergeht zum Glück nach 2 Stunden wieder und mein Gleichgewichtssinn hat sich neu kalibriert. HF serviert abends mit viel Geschick den Rest Linsensuppe, ich esse aus Sicherheitsgründen aus der Suppenschüssel.

Wir wechseln uns im 3 Stundenrhythmus mit der Nachtwache ab, das klappt gut.

Am Dienstagmorgen weht der Wind etwas weniger stark, aber die Wellen sind nach wie vor sehr hoch. Zum Lunch kocht HF ein schmackhaftes Bohnen/Chorizogericht. Wir gucken weiter übers Wasser, hören Musik und Hörbücher undlesen, ich nur ganz große Schrift, weil mir die kleinen Buchstaben immer vor den Augen davon springen.

Am Mittwoch bleibt die Welle hoch, wir fabrizieren einen Nudelüberguss, abends gibt es Kartoffeln mit Mojo Rojo.

Bei der Durchsicht der Gemüsekiste stellt sich heraus, dass sich Chicorree auch nicht für eine lange Fahrt eignet.

Am Donnerstag ist die Welle endlich sanfter. HF nimmt den Schleppgenerator in Betrieb, er funktioniert wunderbar.

Weil Katharina Geburtstag hat, gratulieren wir mit einem Anruf mit dem Satellitentelefon, das eine Standbyleistung von 15 Min hat und eine Sprechnutzung von 1 Minute. Dann ist der Akku leer. Zur Feier des Geburtstages gibt es einen Kartoffelsalat, mit Avocado, Tomaten, Zwiebeln und Olivenöl, der HF ganz besonders gut schmeckt.

Der Freitag macht seinem Namen alle Ehre, er ist pechrabenschwarz im wahrsten Sinne des Wortes. In der Nacht haben wir totalen Stromausfall, kein Licht an Bord, keine Bootsbeleuchtung. HF will den Motor anwerfen und 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen, die Flaute überlisten und Strom generieren. Der Motor springt zwar an, geht aber sofort wieder aus und das war’s dann. HF hat eine sehr schlechte Nacht, macht sich große Sorgen und Gedanken, kann nicht schlafen, so dass ich nicht mehr wachen muss und am Samstag gestärkt ans Werk gehen kann.

Wir versuchen dreieinhalb Stunden lang das Wasser aus dem Diesel zu filtern, das durch die Tankentlüftung bei den hohen Wellen reingeschwappt sein muss. Wir nehmen alle Flaschen, die wir finden können und pumpen am Grund des Tanks. Langsam wird der Wasseranteil in den Flaschen geringer, die Motorfilter füllen sich nicht mehr ganz so schnell.

Leider fließt bei einem Pumpmanöver zu allem Überfluss ein Schwall Öl in die Bilge. Alles stinkt nach Diesel und ist glitschig.

Hoffnungsvoll versuchen wir den Motor zu starten. VERGEBLICH.

Doch der Schleppgenerator funktioniert und füllt ganz langsam die Batterie wieder auf, so dass es uns gelingt, das Satellitentelefon zu laden und von Jens eine Portion Mitleid zu bekommen.

Als Frustmedizin packt HF das Novemberpäckchen seiner Bielefelder Freunde aus: Weingummiplaygirls, ein Minimummelmann und eine Minikruke von Boltz. Das wirkt.

Den Dieselgestank am Körper hat HF inzwischen mit einer 2 Liter Dusche abgewaschen, meiner ist einfach verdampft.

Es gibt auch noch einen Frustbekämpfungsnudelüberguss mit Gurkensalat und wir sitzen sehr gemütlich unter der Petroleumlampe und trinken Rotwein. Die Topbeleuchtung funktioniert.

Wir haben uns gut an das gemächliche Leben gewöhnt, seit 5 oder 6 Tagen haben wir kein anderes Boot mehr gesehen, nur Wasser, Sonne, Mond und Sterne. Natürlich nehmen wir die Wachen bei Nacht weiter ernst, aber ein paarmal haben wir schon ein halbe Stunde geschlafen. Manchmal sehen wir Vögel, öfter fliegende Fische, von denen 3 leider an Bord geflogen und verstorben sind.

Unsere Ankunft in Mindelo verzögert sich um 2 Tage, weil wir die Flauten nun nicht mehr mit dem Motor überlisten können.

 

Mindelo

11.11.2013

Am Di, 4.11. sind wir nachmittags in Mindelo eingelaufen – unter Motor! Sobald wir wieder ein Telefonnetz hatten, hat Jens mit Dirk Schönhoff Kontakt hergestellt, der geraten hat, den Motor „orgeln“ zu lassen. Beim dritten Versuch sprang er an.

Im Hafen von Mindelo liegen wir mit schönem Blick auf die Stadt und Uferpromenade, auf den Torre de Belem (Kopie von Lissabon) und den Fischmarkt.

Bevor wir uns im Hafenbüro anmeldeten verschwand HF im Büro der Mechaniker und der Raymarinestation. Die Mechaniker kamen unverzüglich an Bord, am Abend des 5.11. war alles Öl abgepumpt und der Tank von Bakterien und Wasser gereinigt. Die Einstellung des Raymarinegeräts zieht sich allerdings bis zum jetzigen Augenblick hin.

Im Hafen gibt es eine kleine Kneipe auf einem Floß, in der es sehr guten Kaffee und ein warmes Sandwich zum Frühstück gibt, HF findet Gefallen am Cheeseburger. Abends gibt es of Livemusik.

Die Stadt bietet alles, was wir brauchen, gute Supermärkte, einen bunten Gemüsemarkt, Restaurants, in den wir beide finden, was uns schmeckt. Gestern Abend aß ich z.B. Krabben mit Knoblauch und Wurzelgemüse, aus dem ich mir einen herrlichen Salat mischte.

Am 5.11. mussten wir uns im Immigrationoffive und bei der Hafenpolizei anmelden. Die Polizei hat die Schiffspapiere bis zur Abreise in Verwahrung genommen. Bei der Immigration konnte ich keinen Pass zum Stempeln vorweisen , nur den Personalausweis, also wurde ich zurück zum Boot geschickt, um ihn zu holen, beim 4. Anlauf traf ich den Beamten endlich wieder während seiner Bürostunden bei der Arbeit an.

Am 7.11. fuhren wir mit den Leuten der neueröffneten Tauchbasis zu 2 Tauchgängen am „Jensfelsen“ und bei schon einbrechender Dunkelheit zu dem Wrack eines Handelsschiffs. Wir hatten einen eigenen Guide, deshalb war es nur etwas unangenehm, aber nicht schlimm, dass wir keinen Tauchcomputer ausleihen konnten und nicht einmal einen Tiefenmesser hatten. Dafür haben wir insgesamt aber € 220 bezahlt.

Wir sahen riesengroße Fischwärme, größer als jemals vorheer, einen Steinfisch, Langusten mit halbmeterlangen Antennen, Thunfische. Ums Wrack herum wars im Dämmerlicht herrlich gruselig .

Vor 2 Tagen haben wir morgens um 8 Uhr die Fähre nach Antao genommen und sind von Porto Novo mit dem Minibus nach Paul gefahren in eine grüne Welt mit Bananen, Palmen, Zuckerrohr und Blumen. Ein Fluss der richtig Wasser führte mündete im tosenden Meer.

Ich aß ein besonders gutes Hühnchen mit reichlich Wurzel- und Knollengemüse und Reis am Platz vor dem Rathaus und der Sanitätsstation zwischen Blumenbeeten.

Die Hin- und Rückfahrt mit dem Minibus waren spektakulär, zerklüftete Felswände, die senkrecht neben der Straße ins Meer fielen, Schluchten, der alte schmale Verbindungsweg zwischen den Orten. Häuser auf der Felswand, die aus den Felsen herauszuwachsen schienen. Neben HF stieg auf der Rückfahrt eine alte Frau ein, die sich viele Male bekreuzigte.

Die Fähre zurück war auch ein Krankentransport. Unter Deck lag ein kleiner Junge wimmernd am Tropf, in Mindelo wurde er vom Krankenwagen mit Blaulicht abgeholt.

Inzwischen sind Annik und Alain auch eingetroffen und ankern nicht weit von unserem Liegeplatz. Sie haben bei starkem Wind nur viereinhalb Tage gebracht. Gestern Nachmittag haben wir sie mit dem Beiboot auf ein Bier besucht.

Immer wieder treffen wir neue bemerkenswerte Leute. Gestern Niki und Daniel aus Paris und Südafrika mit ihren 2 Kindern, die dabei sind die Welt zu umrunden, solange die 8jährige Tochter das schulisch noch verkraften kann.

Der Raymarine Mechaniker ist gerade wieder zum Studieren und Nachlesen ins Büro gegangen. Die Anlage funktioniert immer noch nicht. Hoffentlich müssen wir nicht noch einen Tag an Bord ausharren.

HF hat sich die Haare auf 1 cm scheren lassen und jetzt ist der Bart auch noch ab.