La Gomera – Mindelo (Sao Vicente, Kapverden)
27.10.2013
Montagmittag 12.40 Uhr, Murray, Judith und Johanna winken und wir laufen bei starkem Wind und sehr hoher Welle aus in Richtung El Hierro aus. Mir wird fast augenblicklich schlecht, aber das vergeht zum Glück nach 2 Stunden wieder und mein Gleichgewichtssinn hat sich neu kalibriert. HF serviert abends mit viel Geschick den Rest Linsensuppe, ich esse aus Sicherheitsgründen aus der Suppenschüssel.
Wir wechseln uns im 3 Stundenrhythmus mit der Nachtwache ab, das klappt gut.
Am Dienstagmorgen weht der Wind etwas weniger stark, aber die Wellen sind nach wie vor sehr hoch. Zum Lunch kocht HF ein schmackhaftes Bohnen/Chorizogericht. Wir gucken weiter übers Wasser, hören Musik und Hörbücher undlesen, ich nur ganz große Schrift, weil mir die kleinen Buchstaben immer vor den Augen davon springen.
Am Mittwoch bleibt die Welle hoch, wir fabrizieren einen Nudelüberguss, abends gibt es Kartoffeln mit Mojo Rojo.
Bei der Durchsicht der Gemüsekiste stellt sich heraus, dass sich Chicorree auch nicht für eine lange Fahrt eignet.
Am Donnerstag ist die Welle endlich sanfter. HF nimmt den Schleppgenerator in Betrieb, er funktioniert wunderbar.
Weil Katharina Geburtstag hat, gratulieren wir mit einem Anruf mit dem Satellitentelefon, das eine Standbyleistung von 15 Min hat und eine Sprechnutzung von 1 Minute. Dann ist der Akku leer. Zur Feier des Geburtstages gibt es einen Kartoffelsalat, mit Avocado, Tomaten, Zwiebeln und Olivenöl, der HF ganz besonders gut schmeckt.
Der Freitag macht seinem Namen alle Ehre, er ist pechrabenschwarz im wahrsten Sinne des Wortes. In der Nacht haben wir totalen Stromausfall, kein Licht an Bord, keine Bootsbeleuchtung. HF will den Motor anwerfen und 2 Fliegen mit einer Klappe schlagen, die Flaute überlisten und Strom generieren. Der Motor springt zwar an, geht aber sofort wieder aus und das war’s dann. HF hat eine sehr schlechte Nacht, macht sich große Sorgen und Gedanken, kann nicht schlafen, so dass ich nicht mehr wachen muss und am Samstag gestärkt ans Werk gehen kann.
Wir versuchen dreieinhalb Stunden lang das Wasser aus dem Diesel zu filtern, das durch die Tankentlüftung bei den hohen Wellen reingeschwappt sein muss. Wir nehmen alle Flaschen, die wir finden können und pumpen am Grund des Tanks. Langsam wird der Wasseranteil in den Flaschen geringer, die Motorfilter füllen sich nicht mehr ganz so schnell.
Leider fließt bei einem Pumpmanöver zu allem Überfluss ein Schwall Öl in die Bilge. Alles stinkt nach Diesel und ist glitschig.
Hoffnungsvoll versuchen wir den Motor zu starten. VERGEBLICH.
Doch der Schleppgenerator funktioniert und füllt ganz langsam die Batterie wieder auf, so dass es uns gelingt, das Satellitentelefon zu laden und von Jens eine Portion Mitleid zu bekommen.
Als Frustmedizin packt HF das Novemberpäckchen seiner Bielefelder Freunde aus: Weingummiplaygirls, ein Minimummelmann und eine Minikruke von Boltz. Das wirkt.
Den Dieselgestank am Körper hat HF inzwischen mit einer 2 Liter Dusche abgewaschen, meiner ist einfach verdampft.
Es gibt auch noch einen Frustbekämpfungsnudelüberguss mit Gurkensalat und wir sitzen sehr gemütlich unter der Petroleumlampe und trinken Rotwein. Die Topbeleuchtung funktioniert.
Wir haben uns gut an das gemächliche Leben gewöhnt, seit 5 oder 6 Tagen haben wir kein anderes Boot mehr gesehen, nur Wasser, Sonne, Mond und Sterne. Natürlich nehmen wir die Wachen bei Nacht weiter ernst, aber ein paarmal haben wir schon ein halbe Stunde geschlafen. Manchmal sehen wir Vögel, öfter fliegende Fische, von denen 3 leider an Bord geflogen und verstorben sind.
Unsere Ankunft in Mindelo verzögert sich um 2 Tage, weil wir die Flauten nun nicht mehr mit dem Motor überlisten können.
Mindelo
11.11.2013
Am Di, 4.11. sind wir nachmittags in Mindelo eingelaufen – unter Motor! Sobald wir wieder ein Telefonnetz hatten, hat Jens mit Dirk Schönhoff Kontakt hergestellt, der geraten hat, den Motor „orgeln“ zu lassen. Beim dritten Versuch sprang er an.
Im Hafen von Mindelo liegen wir mit schönem Blick auf die Stadt und Uferpromenade, auf den Torre de Belem (Kopie von Lissabon) und den Fischmarkt.
Bevor wir uns im Hafenbüro anmeldeten verschwand HF im Büro der Mechaniker und der Raymarinestation. Die Mechaniker kamen unverzüglich an Bord, am Abend des 5.11. war alles Öl abgepumpt und der Tank von Bakterien und Wasser gereinigt. Die Einstellung des Raymarinegeräts zieht sich allerdings bis zum jetzigen Augenblick hin.
Im Hafen gibt es eine kleine Kneipe auf einem Floß, in der es sehr guten Kaffee und ein warmes Sandwich zum Frühstück gibt, HF findet Gefallen am Cheeseburger. Abends gibt es of Livemusik.
Die Stadt bietet alles, was wir brauchen, gute Supermärkte, einen bunten Gemüsemarkt, Restaurants, in den wir beide finden, was uns schmeckt. Gestern Abend aß ich z.B. Krabben mit Knoblauch und Wurzelgemüse, aus dem ich mir einen herrlichen Salat mischte.
Am 5.11. mussten wir uns im Immigrationoffive und bei der Hafenpolizei anmelden. Die Polizei hat die Schiffspapiere bis zur Abreise in Verwahrung genommen. Bei der Immigration konnte ich keinen Pass zum Stempeln vorweisen , nur den Personalausweis, also wurde ich zurück zum Boot geschickt, um ihn zu holen, beim 4. Anlauf traf ich den Beamten endlich wieder während seiner Bürostunden bei der Arbeit an.
Am 7.11. fuhren wir mit den Leuten der neueröffneten Tauchbasis zu 2 Tauchgängen am „Jensfelsen“ und bei schon einbrechender Dunkelheit zu dem Wrack eines Handelsschiffs. Wir hatten einen eigenen Guide, deshalb war es nur etwas unangenehm, aber nicht schlimm, dass wir keinen Tauchcomputer ausleihen konnten und nicht einmal einen Tiefenmesser hatten. Dafür haben wir insgesamt aber € 220 bezahlt.
Wir sahen riesengroße Fischwärme, größer als jemals vorheer, einen Steinfisch, Langusten mit halbmeterlangen Antennen, Thunfische. Ums Wrack herum wars im Dämmerlicht herrlich gruselig .
Vor 2 Tagen haben wir morgens um 8 Uhr die Fähre nach Antao genommen und sind von Porto Novo mit dem Minibus nach Paul gefahren in eine grüne Welt mit Bananen, Palmen, Zuckerrohr und Blumen. Ein Fluss der richtig Wasser führte mündete im tosenden Meer.
Ich aß ein besonders gutes Hühnchen mit reichlich Wurzel- und Knollengemüse und Reis am Platz vor dem Rathaus und der Sanitätsstation zwischen Blumenbeeten.
Die Hin- und Rückfahrt mit dem Minibus waren spektakulär, zerklüftete Felswände, die senkrecht neben der Straße ins Meer fielen, Schluchten, der alte schmale Verbindungsweg zwischen den Orten. Häuser auf der Felswand, die aus den Felsen herauszuwachsen schienen. Neben HF stieg auf der Rückfahrt eine alte Frau ein, die sich viele Male bekreuzigte.
Die Fähre zurück war auch ein Krankentransport. Unter Deck lag ein kleiner Junge wimmernd am Tropf, in Mindelo wurde er vom Krankenwagen mit Blaulicht abgeholt.
Inzwischen sind Annik und Alain auch eingetroffen und ankern nicht weit von unserem Liegeplatz. Sie haben bei starkem Wind nur viereinhalb Tage gebracht. Gestern Nachmittag haben wir sie mit dem Beiboot auf ein Bier besucht.
Immer wieder treffen wir neue bemerkenswerte Leute. Gestern Niki und Daniel aus Paris und Südafrika mit ihren 2 Kindern, die dabei sind die Welt zu umrunden, solange die 8jährige Tochter das schulisch noch verkraften kann.
Der Raymarine Mechaniker ist gerade wieder zum Studieren und Nachlesen ins Büro gegangen. Die Anlage funktioniert immer noch nicht. Hoffentlich müssen wir nicht noch einen Tag an Bord ausharren.
HF hat sich die Haare auf 1 cm scheren lassen und jetzt ist der Bart auch noch ab.